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2015-04-20

Black Veil Brides - Album Black Veil Brides 

 Es ist komisch, was einen alles beeinflussen kann. Ein, zwei Worte und es fühlt sich alles komplett anders an. Switchen von sanftem Piano, Tom Odell, zu Black Veil Brides, und mit einem Mal fühlt sich alles anders an, fühle mich stärker. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Metal den Kopf positiv beeinflusst.
Und dann ist es nur ein Lächeln von dem Typen mir schräg gegenüber.
Er sitzt jeden Montag auf dem selben Platz in dem Vierer der Regiotram, nicht mir gegenüber am Fenster sondern dem Platz daneben. Anfang, Mitte dreißig, hellbraune, leicht gegelte Haare, hellbraune Augen, spitze Nase, Hemd, Krawatte, Anzughose, Lederschuhe. Vielleicht etwas kleiner als ich. Immer setzt er sich, legt seinen Beutel neben sich, zieht sein Macbook aus seiner Ledertasche, fängt an zu tippen, seine schmalen Augenbrauen verengen sich. Er kaut an den Nägeln seiner langen Finger, reibt sich unter der Nase, tippt, tippt, schaut nie auf, den Blick konzentriert, manchmal schon fast verzweifelt. Richtung Baunatal tauscht er Macbook gegen Kindle, liest bis Bahnhof Wilhelmshöhe, dann steht er auf und geht zu Tür, um beim Hauptbahnhof mit als einer der ersten Auszusteigen. Immer derselbe Ablauf. Heute hatte er das erste Mal Kopfhörer in den Ohren.
Ich schaute gedankenverloren aus dem Fenster, bis ich auf einmal merkte dass mein Koffer in einer Kurve gegen sein Bein gerutscht war. Sofort griff ich danach, zog ihn zur Seite, schaute ihn kurz an und sagte etwas wie "Sorry", und er lehnte sich ebenfalls vor, zog kurz den Ohrhörer aus dem linken Ohr und antwortete im gleichen Moment mit etwas wie "kein Problem, alles gut"; und lächelte. Ich hab den Typen noch nie lächeln sehen. Woche für Woche sitzt er da, angespannt, und dieses eine Lächeln hat mich unglaublich berührt. Ich frage mich, wer dieser Kerl ist. Wo er arbeitet, woran er Tag für Tag so angespannt schreibt, was für Musik er heute gehört hat und ob es überhaupt Musik war, was er auf seinem Kindle liest, wie er heißt. Ich kann nichts entschlüsseln in ihm. Kann nicht schließen ob er allein ist, eine Freundin hat oder schwul ist, ob er ein hohes Tier ist oder nur ein kleiner Angestellter, ob er ein Arschloch ist oder ein aufrichtiger Mann, ich kann nichts lesen in ihm.
Und ich spüre die Beats in Kopf und Brust und irgendwie fasziniert es mich, nichts zu wissen. Ich weiß nicht einmal, ob ich etwas wissen will. Immer der gleiche Ablauf, andere würde es wahrscheinlich kein bisschen scheren. Es ist, als hätte man ein Buch vor sich ohne Titel, ohne es aufzuschlagen, ohne Ahnung was darin passiert, worum es geht, wie es geschrieben ist. Wie Schrödingers Katze. Solange der Karton zu ist, weiß man nicht ob die Katze lebt oder tot ist. Alles ist möglich und nichts ist unmöglich, solange man den Karton nicht öffnet.